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BSI lädt kritischen Wissenschaftler von Kongreß aus

2005-04-04 00:00:00, webmaster

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat einen bereits zugesagten Vortrag des Dresdner Wissenschaftlers Andreas Pfitzmann abgesagt, um kritischen Stimmen zu biometrischen Verfahren keinen Raum zu bieten.

Professor Andreas Pfitzmann arbeitet in den Schwerpunkten Privatsphäre und Computersicherheit an der Fakultät für Informatik der TU Dresden. Unter anderem wurde er durch seine Arbeit an Anonymisierungssoftware, vor allem dem Java Anonymising Proxy (JAP), bekannt.

Für den 9. Deutschen IT-Sicherheitskongreß des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) im Mai wurde Prof. Pfitzmann als Referent angefragt. Daraufhin hatte er einen Vortrag unter dem Titel "Werden biometrische Sicherheitstechnologien die heutige IT-Sicherheitsdebatte vor neue Herausforderungen stellen?" vorgeschlagen und mit Dr. Otto Ulrich vom BSI abgestimmt. In der Folge lud das BSI Prof. Pfitzmann zum Kongreß ein.

Offenbar auf Druck des Bundesministeriums des Innern (BMI) hat der Präsident des BSI, Dr. Udo Helmbrecht, in einem Schreiben an Professor Pfitzmann kurzfristig die Einladung zurückgenommen. Als Grund werden Zeit- und Raummangel angeführt – bislang wurden jedoch keine Ersatzvorträge benannt.

Wahrscheinlicher scheint, daß dem BMI eine qualifizierte Betrachtung des Themas Biometrie zu riskant erscheint. Wie die wissenschaftliche Forschung zeigt, gibt es erhebliche Schwierigkeiten beim großmaßstäblichen Einsatz biometrischer Sicherheitstechnologien. Ein möglicher Zugewinn an Sicherheit steht in keinem Verhältnis zum erforderlichen Aufwand.

Belege hierfür finden sich unter anderem in den TAB-Berichten 76 und 93 des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag ebenso wie in den Studien BioP und BioFinger des BSI.

Eine Analyse der beiden BSI-Studien enthält die neue Ausgabe der Datenschleuder, die ab Ende dieser Woche im gutsortierten Zeitschriftenhandel erhältlich ist.

Für weitere Informationen zu Biometrie siehe https://www.ccc.de/biometrie/. Eine Interpretation des Vorgangs bietet das auch sonst sehr lesenswerte Blog rabenhorst.