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live aus digitalistan - you never walk alone

2003-05-24 00:00:00, webmaster

Veranstaltungsreihe zu Medien | Überwachung | Gesellschaft

Herrscht Krieg in Digitalistan? In der Auseinandersetzung um die Schlüsselressourcen Information und Wissen stehen sich zwei ungleiche Gegner gegenüber: der wirtschaftlich-politische Komplex und die Menschen mit ihrem Interesse an umfassender Information und Bildung.

Unternehmen bunkern Informationen, um sie für die kommerzielle Verwertung zu sichern, der Gesetzgeber leistet fetten Support. Da ist es gleich, ob es sich um biologische Gensequenzen, Software oder um digitalisierte Musik handelt. Gleichzeitig werden persönliche Informationen zum öffentlichen Gut - der Raum, in dem wir uns bewegen, egal ob 'real' oder 'virtuell', ist heute durchzogen von einem Netz kleiner und großer Überwachungs- und Filtersysteme. Massenhaftes Abhören von Telefonen und Kameras in öffentlichen Räumen gehören zum Alltag, PCs übermitteln unbemerkt Daten übers Netz und biometrische Systeme kommen jetzt sogar bei der Ticketkontrolle für Zoos in Mode.

Mit der fortgeschrittenen Vernetzbarkeit der unzähligen Datensammelstellen stehen wir heute einem Erfassungssystem gegenüber, von dem Stasi und KGB nur träumen konnten. Das 'Information Awareness Office', eine dem US-Verteidigungsministerium zugeordnete Behörde, will die neuen Möglichkeiten nutzen - und zwar weltweit.

Um eine Politik durchziehen zu können, die manche - je nach Kontext - legalisierten Datenklau oder Entmündigung nennen, halten Staat und Wirtschaft wichtige Informationen zurück oder deuten sie durch Filterung um. Sie konstruieren, unterstützt von den Massenmedien, neue 'Wahrheiten' und Begründungszusammenhänge, mit deren Hilfe sie fast jede Aktion rechtfertigen können. Der millionenfache Tausch von Musikdateien wird beispielsweise nicht als Willenserklärung im digitalen Raum gedeutet, sondern als 'Piraterie' kriminalisiert und Kriege können als schmerzlose Säuberungen präsentiert werden.

'live aus digitalistan' stellt an drei Abenden im Juni InfoWar-Konzepte, Kontroll- und Überwachungstechnologien sowie 'Trusted Computing' vor. Wir wollen Folgen und Chancen für Gesellschaft & Individuum diskutieren, uns praktische Ansätze zur Umgehung oder Verhinderung von Kontrolltechniken ansehen sowie Positionen von KünstlerInnen und AktionistInnen zeigen. Und eine kleine Frage hätten wir da auch noch: Wie wollen wir leben in Digitalistan?

Veranstalter:

  • AK Medien der StipendiatInnen der Rosa Luxemburg Stiftung
  • Chaos Computer Club Cologne
  • Bildungsbande [BiBaNux]

Pressekontakt:

Die Termine

Aktuelle Informationen immer auf .

Alle Veranstaltungen finden im Projektraum der Alten Feuerwache statt, Melchiorstr. 3, Köln. Beginn jeweils 20.00 Uhr

04.06., 20.00 Uhr

  • Live aus Digitalistan: InfoWar - Strategien der Desinformation
  • An der Kriegs-Berichterstattung wird deutlich, wie Informationen durch Filterung umgedeutet, Wahrheiten konstruiert und Begründungszusammenhänge neu geschaffen werden. Die Medienwissenschaftlerin und freie Journalistin Elvira Classen erläutert Doktrinen & Strategien des InfoWar sowie Perspektiven für eine "Entmilitarisierung der Info-Sphäre".
  • Alte Feuerwache, Melchiorstr. 3

11.06., 20.00 Uhr

  • Live aus Digitalistan: 'Smile & Go' - Lächelnd in die totale Kontrolle
  • Technische Überwachungs- und Kontrollsysteme drängen wie selbstverständlich in unseren Alltag. Welche Systeme gibt es, wo werden sie eingesetzt und welche Wirkung haben sie für die Selbstbestimmung der Menschen und die gesellschaftliche Partizipation?
  • Referentinnen: Christine Ketzer (Stipendiatin der RLS), Rehzi [BiBaNux]
  • Alte Feuerwache, Melchiorstr. 3

18.06., 20.00 Uhr

  • Live aus Digitalistan: Trusted Computing - Total Control
  • Von User-Melkmaschinen, elektronischen Top-Informanten und eingebauter Zensur. Dank 'Trusted Computing' werden die PCs der nächsten Generation nicht nur 'zentrale Kommunikationskonsolen' sein. Ausblicke, Fragen und Clips mit Mario Manno (Chaos Computer Club Cologne),Joachim Budeck [BiBaNux] und N.N.
  • Alte Feuerwache, Melchiorstr. 3

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