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Internet-Zensur in Spanien

2002-10-18 00:00:00, kerstin

Seit Mitte Oktober 2002 ist das umstrittene "Gesetz für die Dienste der Informationsgesellschaft und des e-Commerce" in Spanien in Kraft. Es handelt sich hier um einen Eingriff in die Informations- und Meinungsfreiheit, wie er in demokratischen Ländern (außerhalb der Reichweite des Düsseldorfer Regierungspräsidenten) noch nicht erlebt wurde.

Unter dem Vorwand, e-Commerce zu regeln und SPAM zu bekämpfen, werden die Rechte der im WWW publizierenden Menschen massiv beschnitten. So können u. a. "kompetente Behörden" ohne richterliche Anordnung WWW-Seiten schließen lassen.

Provider sollen dazu gezwungen werden, Verbindungsdaten bis zu zwölf Monate zu speichern. Der Aufwand dafür ist immens und für die meisten Provider nicht finanzierbar.

Die Grenze zwischen privaten und gewerblichen Seiten wurde massiv verschoben. So sollen private Seiten, die Werbe-Banner zeigen, schon als Firmen eingestuft werden. Auch von einer dubiosen "Steuer auf Datentransfer" ist die Rede.

Aus Protest gegen das Gesetz haben bereits viele spanische WWW-Anbieter ihre Dienste ganz oder teilweise vom Netz genommen und bereiten den Umzug auf Server außerhalb Spaniens vor.

Da in verschiedenen europäischen Ländern ähnliche Bestrebungen in Gang sind, befürchten wir, auch irgendwann von derartig blödsinnigen und grundrechtswidrigen Gesetzen betroffen zu sein.

Auf den Webseiten des Magazins Kriptópolis (Cerrado por reforma = Wegen des Gesetzes geschlossen) befindet sich eine Liste der Seiten, die aus Protest und Selbstschutz vom Web genommen wurden.

Weitere Informationen:

 

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